THE TIMBER: Kritik zum nihilistischen Western mit Josh Peck & James Ransone (Blu-ray)

Story

1898: auf der Jagd nach Reichtum hat es mehr als hunderttausend Goldsucher und Glücksritter ins Yukon Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas an den Klondike-River verschlagen. Bereits viele Jahre vor dem Goldrausch hat Jebediah Seagrave seine Familie im verschneit-unwirtlichen Alaska zurückgelassen, seine Söhne Wyatt und Samuel haben den Tyrannen nie kennengelernt. Als die beiden, ihre Mutter und Samuels Frau Lisa mit ihrem gemeinsamen Baby von ihrem Land vertrieben werden sollen sehen die Brüder nur einen Ausweg: ein Kopfgeld ist auf den für Tod gehaltenen Jebediah ausgesetzt, mit dem sie Haus und Grund in ihrem Besitz halten könnten. Wyatt und Samuel machen sich auf zu einem mühsamen Marsch, doch je näher sie Jebediahs Spur in den abgeschiedenen Gebieten des Yukon kommen, desto tiefer dringen sie in die Finsternis und Verrohtheit vor, in die die Goldsucher von ihrer Gier getrieben wurden…

Der Film

Seit 2010 und in der mittlerweile fünften Staffel begleitet der Discovery Channel mit seiner Doku-Soap „Gold Rush“ mehrere Bergbau Crews bei ihrer Goldsuche im Yukon Territorium. Am Porcupine Creek und diversen Minen geht es zwar auch rau zu und durchaus um existenzialistische Bedürfnisse, doch verglichen damit, was in der nordkanadischen Region vor hundertzwanzig Jahren los war sind die Abenteuer der Hoffman-, Hurt- und Schnabel-Crews doch eher seichter Natur. „Gold Rush“ kann man locker als Aufbruchsstimmungs-TV so weggucken und sich mit den bärtigen und wohlgenährten Arbeiterhelden und ihren schweren Budelgerätschaften freuen, wenn die Big Nugget Mine Ertrag abwirft – Anthony O’Briens nihilistisches Western-Drama „The Timber“ wirft da ein ganz anderes Licht auf den Klondike-Goldrausch.

Josh Peck und James Ransone in THE TIMBER

„The Timber“ ist ein bisweilen kryptischer, weißgetränkter Albtraum, dessen Reise zweier Brüder ins Herz der Finsternis das Zeug zum „Apocalypse Now“ unter den desillusionierenden Wild West-Abrechnungen gehabt hätte. Dafür fehlen aber nicht nur zwei Stunden an Laufzeit, sondern O’Briens Film allgemein der übergeordnete Anspruch, sich so richtig in die psychologischen Tiefen von Goldgier und Existenzkampf zu stürzen. Doch ähnlich wie Francis Ford Coppolas Jahrhundertfilm vom Krieg handelt auch „The Timber“ nur am Rande vom Thema selbst und im Kern von den Auswirkungen auf den Menschen, wo 1969 Captain Willard den Mekong flussufwärts fuhr quälen sich 1898 die Seagrave-Brüder durch Schnee und Gebirge einem entrückten Anführer, einer Gottfigur entgegen und Episoden des Wahnsinns begleiten ihre Wege, bis sie ins Angesicht des Horrors blicken.

Wie gesagt, bei Coppola war das ein Jahrhundertfilm. Bei O’Brien ist es immerhin ein gnadenlos unangenehmer Rohling, frostig und düster, mit einem melancholischen Score von Tim Borquez, der die Unbarmherzigkeit der tatsächlichen und metaphorischen Natur vor Phil Parmets Kamera unterstreicht. Der Goldrausch hat sich zum Blutrausch gewandelt, die unnachgiebige Witterung, Entbehrung und ausbleibender Ertrag haben Enthusiasmus und Hoffnung in blanken Wahn verwandelt und den Brüdern begegnen verrohte Gestalten, unmenschlich gewordene Fratzen. Durch die stark komprimierte Laufzeit und einige Flashbacks wirkt „The Timber“ etwas fragmentarisch, der Plot und ebenso das Spiel des Darstellerquintetts James Ransone, Elisa Lasowski, Josh Peck, Maria Doyle Kennedy und David Bailie gestalten sich minimalistisch, was aber passt.

James Ransone in THE TIMBER

Ein paar Ausgefeiltheiten mehr hätte O’Brien seinem wortkargen „The Timber“ allerdings schon mitgeben können, so pessimistisch und unbequem es auch zugeht, dem Geschehen fehlt es an Fülle, an Gravitas, den Charakteren an Identitätsnuancen, obwohl’s ja durchaus um klar benannte emotionale und pragmatische Motive geht. Das die Perspektive zwischendurch immer wieder auf den zurückgebliebenen Frauen liegt, die zur Not auch mit Waffengewalt ihre Habe verteidigen und nicht bloß leidend die Rückkehr der Männer herbeisehnen, ist bemerkens- und lobenswert, aber dennoch hängt „The Timber“ gerade hier merklich am Moment und entfaltet kaum eine erahnbare größere Geschichte für die Figuren jenseits der tatsächlichen Ereignisse des Films. Dem martialischen Naturalismus eines gänzlich unromantisierten Wilden Westens, gedreht in den Karpaten, kann man sich trotzdem mal aussetzen.

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Ein wenig Western-Peng Peng muss natürlich sein, dennoch kein Ballerfilm.
Spannung: 2/5
Relativ ersichtlich, dass „The Timber“ nicht auf ein zuckerwattiges Happy End zusteuert…
Anspruch: 1,5/5
Bestie Mensch und so. Hätte mehr Ausarbeitung dennoch gut vertragen können.
Humor: 0/5
Überhaupt kein Kriterium.
Darsteller: 3,5/5
Kernige Visagen, passend zum Setting.
Regie: 3,5/5
Pragmatische Regie, die für das Korsett des Films funktioniert.
Fazit: 7/10
Nihilistisch-finsteres Western-Drama, eine kleine fiese light-Version von „Apocalypse Now“ als hoffnungsloses gold rush-Abenteuer.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.