THIS IS THE END: Kritik zur Anarcho-Apokalypse mit Seth Rogen & James Franco

Story

Der kanadische Schauspieler Jay Baruchel besucht seinen Kumpel und Landsmann Seth Rogen in Los Angeles. Gemeinsam ballern sie sich in Seth‘ Hütte die Birne voll, zocken Games und gehen auf einen 3D-Fernseher ab. Obwohl Jay die Stadt und das ganze Hollywood-Getue eigentlich nicht ausstehen kann lässt er sich allerdings im Laufe des Abends überreden, auf eine Party von James Franco mitzukommen. Der weiht gerade seine brandneue und höchstselbst designte Nobelbude in Santa Monica ein, hat Branchenkollegen wie Jason Segel, Emma Watson und Michael Cera auf der Gästeliste stehen – und dazu reichlich Stoff. Während Jay sich zwischen Seth‘ Hollywoodkumpelschaft ausgeschlossen fühlt passiert das Unfassbare: ein kurzer Trip zum nächsten Drugstore wird von einem heftigen Erdbeben und unerklärlichen blauen Lichtstrahlen, die vereinzelt Menschen gen Himmel hinauf ziehen, jäh unterbrochen und zurück in Francos Bude bricht nicht nur Panik aus, sondern auch ein gigantisches Loch im Boden, in das der Großteil des Promipartyvolks abstürzt. Einzig Seth, Jay, Franco, Jonah Hill und Craig Robinson bleiben übrig, als ein apokalyptisches Feuer und teuflische Dämonen die Welt zu verschlingen beginnen…

Der Film



Hollywood-Gangland: Adam Sandler und Dennis Dugan wählen den nächsten Luxus-Drehort ihrer welt- und problemfernen upper class-Komödien aus und George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon stimmen am Comer See den Schnitt ihrer Abendgarderobe für’s nächste Galadiner zur Rettung panpazifischer Algenarten ab – währenddessen hocken Seth Rogen, James Franco, Jay Baruchel, Danny McBride und Evan Goldberg irgendwo in einer Bude nahe der Hollywood Hills rum und pappen sich das Gebälk mit Pot und Koks zu. Und bei wem springt da wohl was Nützliches heraus? Natürlich bei den letztgenannten, den Stonern und Slackern unter den Hollywood-Gangs. Wie schon 2011 mit der schwer gefloppten Fantasy-Comedy „Your Highness“ wird aus dem Kumpeltreff der Kanabis-Crew eine der besten Komödien des Jahres, nämlich die Apokalypsen-Verarsche „This Is the End“, ein gnadenlos selbstreflexives Zotenfest, in dem die Stars ihr eigenes schlimmstes Klischee spielen, quasi den vermeintlichen Imageschaden als ganz persönlichen Dachschaden ausleben, der affig über Kunst sinnierende großmogulige Franco, der weichgekiffte Rogen, der knuddelig-hypernettverständnisvolle Jonah Hill…

„This Is the End“ funktioniert dann am besten, wenn die Jungs ihr jeweiliges Wahrnehmungsbild zelebrieren, es gleichzeitig umarmen und ihm kräftig in die Eier beißen, Scheiß auf den Rang im Celebrity-Popularity-O-Meter, Seth Rogen hat am Flughafen keinen Bock für ein paar kamerabewaffnete Fans den Seth Rogen zu machen, „How I Met Your Mother“-Star Jason Segel muffelt über Sitcom-Routinen rum und der spagelige Bleichling Michael Cera kriegt’s auf Francos Party von zwei heißen Fegern besorgt. Sowas kann heftig in die Hose gehen, da zu viel Augenzwinkerei mit »hey guck mal, wir nehmen uns voll nicht ernst, hey guck doch mal!«-Botschaft leicht in schnöde-aufdringliche Anbiederei mit ach so schlauer Metaebene weggleitet, „This Is the End“ bleibt aber die gesamte Zeit böse zu sich selbst und im Zusammenspiel mit plump-dreistem Anarcho-Krawall inklusive ausgewalzten Abspritzgags und sonstigem Zotentum ausgeglichen genug, um in diesem Gestus der Eigenenttarung total ehrlich zu wirken. Und zum Teil einfach saukomisch.



Bricht die Apokalypse erstmal los offenbart sich alsbald die lebenspraktische Nutz- und Hilflosigkeit des gemeinen Hollywood-Stars, erst Recht jener, die die Zeit abseits des Filmsets mit Joints und der eigenen pseudophilosophischen Lebensperzeption verbringen: übrig bleiben lediglich ein paar unreife Diven, die die vom Beben des Weltuntergangs aus der Hauswand gebrochenen Risse mit einem Streifen Klebeband reparieren, mit Props vom Dreh rumfuchteln und über das Anrecht auf das letzte verbliebene Milky Way streiten. Oder darüber debattieren, wer von ihnen denn nun am wenigsten bereit ist, die zwischendurch vorbeischauende Emma Watson zu vergewaltigen. Oder darüber, wer in wessen Haus wohin wichsen darf oder auch nicht. Fremde, also NICHT-Stars, die um Einlass in Francos Festung betteln, werden abgewimmelt, bis die Dämonen von draußen den verzweifelt durch die Tür gereckten Kopf des Bittstellers eben abhacken. Und egal, ob nun die Welt zum Teufel geht: Zeit für einen flashigen Ecstasy-Trip im Gangnam Style bleibt natürlich trotzdem.

Wie komplett niveaubefreit und hirnfurzig das alles klingen mag (und es letztlich ja auch ist), mit einer Sache ist die Kiffer-Crew gesegnet: Hingabe. Das beim gemeinsamen Abfeiern eine Kamera anwesend ist wird hier nicht bloß rein Paycheck-versessen geduldet, wie in den infantilen „Kindsköpfe“-Vehikeln der schalen Sandler-Fraktion. Rogen, Franco und co. haben Bock auf ihr Joint Venture, Bock auf eine vom puren Nonsens nie komplett verdrängte Story und echte Dynamik zwischen den fiktionalisierten Selbstbildnissen. Bock auf Aberwitzigkeiten und Ideen, wie den geswedeten Dreh eines Trailers zu „Pineapple Express 2“. Zwischen all diesen riesigen Dämonenschwengeln, Pimmelskulpturen und vollgespermten Pornoheftseiten steckt ganz viel von diesem abgesdroschenen Begriff der Liebe zum Detail und ein kumpeliger, kalkülloser »von uns für euch, um gemeinsam Party drauf zu machen«-Gedanke von einem Film. Noch dazu schafft es „This Is the End“ mit simplen Mitteln wie geschickter Beleuchtung und blutsudelnden Einlagen das tatsächlich spürbare Gefühl für die Apokalypse zu schaffen, spielt mit Szenario-Stereotypien wie dem „black guys die first“-Klischee und baut erst in der Nachbetrachtung Brücken zu den Hinweisen, wer wann wie vielleicht stirbt.



Cameos und erweiterte Gastauftritte wie von Hermine Emma Watson („The Perks of Being a Wallflower“) oder Sexiest Man Alive Channing Tatum („21 Jump Street“) bringen immer nochmal den Schuss Extrawürze dazu und wenn erstmal der uneingeladene Gast Danny McBride nichtsahnend in Francos Badewanne erwacht geht’s richtig los. Denn der feiert als unbeirrbarer Partycrasher seine ganz eigene Asspokalypse, mehr als einmal auf Kosten der übrigen fünf. Technisch hält die $32 Millionen-Produktion natürlich nicht mit Katastrophen-Krachern wie Emmerichs „2012“ mit, liefert innerhalb dieses vergleichsweise knappen Rahmens aber dennoch mehr als ordentliche und, wichtiger noch, stimmungstragende Effekte und Creature Designs, so dass die semi-tollen CG- und Green Screen-Shots den hausgemachten Trash-Charme des Films perfekt unterstützen, statt ihn mit steriler Perfektion zu gegenpolisieren. Am Ende bleibt ein bißchen der Eindruck hängen, dass „This is the End“ aus vielen Situationen noch mehr hätte rauskitzeln können; die von den Survival-Situationen total überforderten Starlets, die Hollywood-Bigotterie, der Clash zwischen Leinwandheld und Normalo – davon hätt’s (noch) mehr vertragen. Aber spätestens dem übernächsten Pimmelwichsevagina-Witz kann man sich dann schon wieder nicht mehr entziehen. Party on, weedheads!

Wertung & Fazit

Action: 2,5/5
Der Weltuntergang ist die längste Zeit ein settingreduziertes Paar-Personen-Stück, ohne apokalyptische Vernichtung geht es aber natürlich nicht. Die Action mehrt sich zum Ende nochmals deutlich.
Spannung: 2/5
Die überzogenen Hollywood-Heinis laden nun nicht zum Mitfiebern ein, dennoch schafft der Film sich durch seine Unberechenbarkeit eine vergnügliche Unvorhersehbarkeit, wen es da wohl wie und ob überhaupt als nächstes erwischt.
Anspruch: 0,5/5
Komplett doof und niveaubefreit einerseits, aber dennoch andererseits gar nicht unclever im Umgang und Spiel mit den Klischees um Star Persona und Genre-Stereotypen.
Humor: 3,5/5
Anspielungsreich, entlarvend vulgär, pimmellastig, roh, dreist und frech zu sich selbst.
Darsteller: 4/5
Ob Oscar-Nominee oder gepriesener Jung-Star: keiner ist sich hier für irgendwas zu schade und alle haben sichtlichen Spaß am Spiel mit dem eigenen Selbst und dessen Außenwahrnehmung.
Regie: 4/5
Rogen und Evan Goldberg halten das Tempo mit einer schlichten »immer noch einen draufsetzen«-Struktur hoch und liefern eine nahezu einwandfreie Comedy-Regie.
Fazit: 7,5/10
Apokalypse R-Rated: doof-dreister Zotenschwall und entwaffnende Selbstreflexion eines Haufens dichtgedröhnter Schauspieler, die den gleichen Bock darauf entfachen, den sie beim Drehen dieses Shits hatten. Gut, dass Rogen und Baruchel über die Jahre drangeblieben sind, um ihren 2007er Kurzfilm „Jay and Seth versus the Apocalypse“ auf Spielfilmlänge gestreckt zu kriegen.

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6 Kommentare

  1. Ich bin fast konform mit deiner Kritik. Dank dem lässigen Ende, schneidet bei mir der Endzeit-Irrsinn mit 8/10 Punkte ein wenig besser ab.

    1. Bei mir hat das Ende eher den halben Punkt zur 8/10 gekostet. Ist zwar schon geil, wer da aufläuft und was da abgeht – aber ich finde diese Bollywood-mäßigen Einlagen halt generell nie so prickelnd… 😉

  2. Toller Film. Hat mich im Kino sehr, sehr gut unterhalten! Es ist halt wirklich sinnbefreiter Mist, aber wie du schon schreibst, ist es das mit sehr viel Hingabe!!! 😉

    1. Ja, und das ist dann eben der entscheidende Unterschied für mich, ob sowas zündet oder nicht. Sinnbefreiter Mist ist eben doch gar nicht so einfach richtig hinzukriegen 😉

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