THOR: THE DARK WORLD – Kritik zu Marvels Donnergott-Spektakel mit Chris Hemsworth

Story

Vor Jahrtausenden strebten die Dunkelelfen, Kreaturen, in Finsternis geboren und älter als das Universum selbst, nach dem Sturz und der Rückführung in die Dunkelheit der Neun Reiche. Mittels des Äthers, einer düsteren und unaufhaltsamen Macht, plant ihr Anführer Malekith seine grausame Tat von Svartalfheim aus, während einer Konvergenz der Welten. Doch die Krieger Asgards können die Dunkelelfen aufhalten und den Äther vor Malekiths Zugriff verbergen. Tausende Jahre später: nach ihrer Begegnung mit dem Gott des Donners Thor ist die Astrophysikerin Jane Foster weiter auf der Suche nach Hinweisen auf den Thronfolger Asgards und stößt dabei auf seltsame Phänomene in London, die eine nahende weitere Konvergenz, eine zeitweise Überlappung der Neun Reiche, ankündigen. Dabei gerät Jane mit dem Äther in Verbindung und absorbiert dessen Macht. Die Gefahr für seine geliebte Menschenfrau bleibt auch Thor in Asgard nicht verborgen und in Sorge reist er zur Erde, um Jane zu sich zu holen. Unterdessen werden durch die Wiederaktivierung des Äthers die verbliebenen Dunkelelfen um Malekith aus ihrem langen Tiefschlaf geweckt und ihnen gelingt alsbald ein vernichtender und verlustreicher Schlag gegen Asgard. Ihr Ziel jedoch verfehlen sie: Jane dient dem Äther als Wirt und sie muss Malekith in seine Gewalt bringen, um rechtzeitig zur Konvergenz seine finsteren Pläne doch noch in die Tat umzusetzen. Um seine Liebe und Asgard zu schützen geht Thor schließlich ein Bündnis mit seinem hinterlistigen Adoptivbruder Loki ein, um die Dunkelelfen aufzuhalten…

Die Filmkritik

Let’s face it: der erste „Thor“ war nix. Ein überlanger Trailer zum Mega-Event „The Avengers“; ganz gut der shakespearesque Vater/Söhne-Tragödienpart im goldgöttlichen Asgard, aber schrecklich plump und hoppladiruck und banal wie in kaum einer zweiten Comicverfilmung die Heldengenese des Donnersgottes während der Erdhandlung. Immerhin: aus der Brüderbeziehung zwischen Thor und dem listigen Loki erwuchs ein übergreifend zentraler Konflikt des Marvel Cinematic Universe und wenigstens dafür ist Kennth Branaghs Adaption einigermaßen unablässig im Kanon der Superheldenfilme rund um die Earth’s Mightiest Heroes. „Thor: The Dark World“ ist nun nach dem Milliardenhit „Iron Man 3“ Marvels zweiter Phase 2-Film und, soviel vorweg: deutlich besser als der erste Teil. Die Fortsetzung, selbstredend zugleich „Thor“- und „The Avengers“-Sequel, brütet zwar weiter an ein paar faulen Eiern des Vorgängers herum, „Game of Thrones“-Regisseur Alan Taylor trifft aber um Längen gekonnter den richtigen Ton eines außerweltlichen SciFi-Abenteuers mit Weltenverwebung.

„Thor: The Dark World“ und ganz besonders natürlich die Heimat des Helden Asgard und seine Mitstreiter streifen den Pappmaché- und Plastiklook der Franchise-Eröffnung ab, der unangenehmst an die Saban Entertainment-Produktion „The Mystic Knights of Tir Na Nog“ (wie „Power Rangers“ im Mittelalter plus Titelsong der Kelly Family) erinnerte, und polieren das Götterreich einerseits auf und patinieren es gleichzeitig, indem sie Asgard größer, weiter, tiefer gestalten und viel deutlicher Thors Erklärungsansatz aus dem Vorgänger herausarbeiten: »Your ancestors called it magic, but you call it science. I come from a land where they are one and the same.« Es entsteht ein viel satteres Bild von Marvels bisher fantastischster Welt (mal sehen, was die „Guardians of the Galaxy“ da demnächst beitragen), eine klarere Definition von einem Asgard zwischen Science Fiction und Fantasy, in dem Fackeln einen Raum mit hochentwickelter Hologrammvorrichtung ausleuchten und Gegner sich mit Laserkanonen und Schwertern gegenübertreten und dieses Nebeneinander der Kontraste eine Einheit ergeben.

Allerdings: Set Designer, Kostümnäher und VFX-Ersteller gestalten die Geschichte, sie erzählen sie nicht. In dieser Disziplin schlägt sich „Thor: The Dark World“ aber ebenfalls ordentlich, wenn er auch über die Handlung im Grunde eher Themen und Figuren weiterführt und -entwickelt und nicht so sehr mit der Story an sich irgendetwas weitflächig Interessantes zum MCU beträgt. Wieder ein welt(en)bedrohendes Szenario, wieder eine unbändig scheinende Macht, diesmal statt des blauen Tesserakt-Würfels der blutrote Äther. Könnte man sich natürlich fragen, mit wie vielen kosmischen Kraftquellen Marvel seine Bösewichte denn noch herum hantieren lassen will, doch die mid credits-Sequenz deutet es an: da ist Größeres im Busch. Gewaltiges sogar. Etwas, dass die Avengers dann im dritten Teil übernehmen… Malekith und seine Dunkelelfen sind dann auch bloß die lückenfüllenden Knallerbsen, bis Marvel mit Ultron, Thanos und sonstwem die richtig dicken Kastanien vom Baum schüttelt. Abseits ihres gelungenen Designs gehen die bleichen Weißzopfträger als finstere Bedrohung aus einer vorzeitlichen Dunkelheit frontal baden, sind in ihren Motiven unterformuliert und Christopher Eccleston wirkt in seiner Erscheinung als Malekith mehr wie der linkische Untergebene eines viel schrecklicheren Kriegsfürsten, statt selbst als solcher rüberzukommen.

Die heraufbeschworene Gefahr durch die Dunkelelfen muss dann schon ein lächerlich einfach zu überrennendes Asgard bedingen, in dem der allsehende Wächter Heimdall im denkbar schlechtesten Moment mal nüscht sieht und ein feindliches Attackeschiff mit einem krachenden Kamikazeakt und ohne viel Gegenwehr im Thronsaal „landen“ kann. Das MCU ist jedoch mittlerweile durchplant genug, um nicht bloßes Effekteabgefackel ohne Substanz zu zelebrieren und so dient diese auf den ersten Blick als beliebig wahrzunehmende Bedrohung stringenten Zwecken, indem Vater/Söhne/Brüder- und verstärkt auch /Mama-Konflikte voran getrieben werden. Göttervater Odin und Thor verkehren sich im Angesicht tragischer Verluste in ihren Rollenbildern in die Kehrwerte ihrer Persönlichkeiten aus dem ersten Teil, Thor ist gereift, Odin hingegen gezeichnet und sein Sohn, der prädestinierte Thronfolger, erkennt den Schatten des Herrschaftstums im Handeln seines Vaters. Szenenstehler Loki muss selbstverständlich auch nicht den gesamten Film eingekerkert verbringen, bekommt in asgardischer Haft zunächst ein paar nette Charaktermomente mit Adoptivmum Frigga und liefert sich später amüsantes Gekrittel mit Bruder Thor, in Lokis Augen ohnehin nicht mehr als ein tumber Kraftmeier.

Mit Frigga, der kriegerischen Lady Sif und Thors Erdliebchen Jane Foster täuscht „Thor: The Dark World“ neben den ganzen Männerzwisten starke Frauenfiguren an, wischt sie dann aber mit Hammerschwung und geraunztem »GNNNAAARWWW!« beiseite; mit Ausnahme von Scarlett Johanssons Black Widow und, schurkische Genmanipulationen vorausgesetzt, Gwyneth Paltrows Pepper Potts bleibt der Kosmos des Marvel-Kinos Mackermetier, während um Frauen gebangt und getrauert wird oder Side Quests an sie delegiert werden. Grundsatzdebatten über Antifeminismus und Promaskulinismus im Superheldenfilm beiseite: für „Thor: The Dark World“ überträgt das eine Schwäche des Vorgängers direkt in die eigene Handlung, nämlich die an den Haarschöpfen von Chris Hemsworth und Natalie Portman herbeigezogene Liebesgeschichte zwischen Thorzan und Jane. Die vom Äther infizierte Portman wird vom love interest zum plot device runtergehandelt und passt in ihrer leicht spleenigen Niedlichkeit nach wie vor nicht so recht an die Seite des kernigen Asenhünen, das Hinauszögern ihrer großen Kussszene bis zur vorletzten Einstellung ist doof und die fahrige Wissenschaftsfrau ein Null-Charakter auf der Interessenskala, der, wie ihre irdische Entourage bestehend aus Kat Dennings, Stellan Skarsgård und Jonathan Howard, eigentlich nur für comic relief gut ist, Stichwort Ohrfeigen.

Wieso Skarsgård die meiste Zeit ohne Hose rumlaufen muss bleibt trotzdem Geheimnis des Films, dem nicht jeder Wechsel zwischen Tragik und (ohne diesen Kontext fast durchweg gelungene) Komik gelingt. Es sollte immer so eine gewisse Zeit dauern (ohne das es da feste Regelsätze gäbe), ehe eine schwere Stimmung von einem Gag wieder etwas aufgelockert wird, und diesen mehr fühlbaren als metrisch messbaren Punkt verfehlt „Thor: The Dark World“ mehrmals. Einige eingestreute inszenatorische Kniffe, wie die „Ocean’s“-mäßige plan’N’execute-Montage, drücken den Film außerdem in Tempo und Esprit runter, ehe zum Showdown alle Welten in Reihe stehen und die Gäule mit den Machern durchgehen: keine Ahnung, was sich da am Ende abspielt, ganz ehrlich. Natalie Portalman? „Thortal“? Irgendein Portalirrsinn auf jeden Fall, durch den Thor und Malekith von Welt zu Welt hüpfen und stürzen. Ist aber cool. Schöne Abwechslung zur städtevernichtenden Klimaktik eines „Man of Steel“, eines „The Avengers“ etc. Wie inzwischen gewohnt macht Marvel mit „Thor: The Dark World“ mehr Türen auf als zu und hinterlässt ein paar spannende Optionen für den Donnerbengel. Soweit ist dessen zweites Solo ein spaßiges, gestalterisch bisweilen verzückendes und in den etablierten Konfliktpunkten der Charaktere mit Weitsicht und Stringenz weitergedachtes SciFi-Abenteuer ohne echten Mindblower, aber mit vielen Eyepoppern, überqualifizierter Besetzung und guten Actionsequenzen. Thor will return. Das ist nun keine Drohung mehr, sondern ein gerne entgegen genommenes Versprechen.

Wertung & Fazit

Action: 3.5/5

Hämmert (höhö) kräftiger als im Vorgänger, die Action Sets werden nicht überpowert, der Showdown zwischen Malekith und Thor ist ‘ne irrsinnige Nummer.

Spannung: 2/5

„Irgendwer bedroht mit irgendwas die ganze(n) Welt(en)“. Grob betrachtet ist’s storymäßig nicht viel mehr, aber der Film leitet seine Figurenkonstellationen gekonnt und mit Interesse an seinen (Anti)Helden durch die Handlung.

Anspruch: 0.5/5

Wie beim ersten Teil: [Selbstzitat on]Vater/Söhne- und /Bruder-Konflikte, wie man sie zwar mitsprechen kann, dennoch nicht ganz ohne Tiefe, wofür vor allem Tom Hiddlestons Loki als interessanteste Figur sorgt[Selbstzitat off].

Humor: 1.5/5

Manchmal deplatzierter, aber an und für sich sehr angenehmer Humorlevel.

Darsteller: 3.5/5

Chris Hemsworth fühlt sich mittlerweile sichtlich zu Hause in der Rolle, Tom Hiddleston sowieso. Natalie Portman kratzt scharf an der Fehlbesetzung, zumindest in ihrer Funktion als Geliebtes des Donnergottes.

Regie: 3.5/5

Alan Taylor patzt an einigen Stellen, legt insgesamt aber den viel besseren Solo- „Thor“ gegenüber Kenneth Branagh hin.

Film: 7/10

Auch das zweite Asgard-Solo-Abenteuer ist nicht der Oberhammer, aber doch im oberen Drittel der Marvel-Filme anzusiedeln.

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Ein Kommentar

  1. Der Dritte Teil vom Donnergott war sehr Enttäuschent ,er würde leider sehr ins Lächerliche gezogen. Der Film wahr den Eintritt ins Kino nicht wert.
    Man sollte das Eintrittsgeld zuzurückfordern.

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