TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION – Steve Jablonskys Score in der Kritik

TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION - Steve Jablonskys Score in der Kritik
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Der Score

Hans Zimmer hat die Filmmusik-Szene maßgeblich verändert: mit seiner Firma „Remote Control“ verbreitete er durch Lehrlings-Komponisten seinen Kompositions-Stil überall. Es gibt zwar einige ehemalige Schüler, die sich vom Stil ihrer Lehrers distanziert haben und längst einen eigenen etablierten (die bekanntesten sind John Powell und Harry Gregson-Williams), aber es gibt auch genug andere, die dafür sorgen, dass die Musik im Blockbusterbereich oft gleich klingt. Dazu gehört auch Steve Jablonsky, dessen „Transformers“-Scores alles abdecken, wofür „Remote Control“ steht – schnelle Streicher-Ostinati, majestätischer Chor und alles mit viel Elektronik aufgepeppt. Die Filmmusik funktioniert zwar sehr gut in den Filmen und kann auch als reines Hörerlebnis unterhalten, aber nach und nach bemerkt man, wie generisch die Musik inzwischen klingt, vor allem wenn man realisiert, wie viele andere Filme auf diese Art vertont werden.

Jablonsky komponierte nun auch für Teil 4 der Robo-Prügel-Reihe und zeigt leider, dass er – mit einigen Ausnahmen – im Gegensatz zu Michael Bay diesmal nichts dazugelernt hat.

Ein bisschen neues Material gibt es – so stellt der Score zu „Age of Extinction“ im 2. Titel, Best Thing Ever Happened, etwas vor, dass es vorher noch nicht gab in den „Transformers“-Soundtracks: eine Gesangs-Stimme mit langen „Uuhs“ mit Klavier- und Streicher-Unterstützung, was sehr melancholisch klingt und für Mark Wahlberg und seine Tochter steht. Die Musik fängt nicht nur deren Situation, sondern auch ihre Heimat Texas sehr gut ein. Gegen Ende kommt auch eine Gitarre dazu. Hacking the Drone setzt diesen Stil fort, allerdings auch mit Streicher- und Gitarrenstimmen und einem neuen Gesang, der immer wieder eine Art „Dum-Didel-Dum“ von sich gibt. Ungewöhnlich, aber sehr interessant, wird der Track zum Ende hin lauter und dramatischer. Auch in That´s A Big Magnet und Leave Planet Earth Alone kehren diese Klänge nochmal zurück, bevor sie von dem abgelöst werden, was das Problem dieses Scores ist – der ganze Rest.



Es ist wirklich erstaunlich, wie es nur EIN Soundtrack-Album schafft, dass der Verfasser dieses Artikels des „Remote Control“-Schemas absolut überdrüssig wird. Klar, es gibt dutzende solcher Scores, aber dieser hier war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat: der immer gleiche Aufbau, die immer gleichen Arrangments, der immer gleiche Sound, all das geht irgendwann nur noch auf die Nerven. Hier und da findet man neue Melodien, so ist zum Beispiel das Thema für den Schurken Lockdown recht gelungen, eine unheimlich klingende Keyboard-Melodie, die aus 4 Tönen besteht und prominent in den Tracks Your Creators Want You Back und That´s A Big Magnet vorkommt. Auch eine neue Melodie für die Autobots gibt es (im Prinzip eine gelungene Action-Variante eines schon bekannten Stücks aus dem ersten Teil), gut zu hören im sehr Harry Gregson-Williams-artigen Titel Punch Hold Slide Repeat ab 0:51, welche ab 1:43 nochmal kommt und dann heroisch fortgesetzt wird. Und wenn in The Legend Exists das beliebte Arrival To Earth-Thema aus dem ersten Film auf glorreiche Weise zurückkehrt, dann zaubert das ein Lächeln auf’s Gesicht. Noch zu erwähnen ist eine andere Melodie, die unter anderem den Song im Abspann untermalt, welcher schon im Trailer zu hören war und hin und wieder ziemlich nach Clint Mansells berühmter Musik aus „Requiem for a Dream“ klingt und besonders gut unter anderem in der zweiten Hälfte von Leave Planet Earth Alone zu hören ist. Es gibt hier und da noch andere Statements des Themas, aber das ist nicht der Rede wert.

Und das kann man eigentlich stellvertretend für den Rest des Albums sagen: nicht der Rede wert. Es ist immer wieder das gleiche. Track 1, 11, 18 und 23 sind im Prinzip derselbe Titel, und abseits davon kennt man einfach alles schon. Schnelle Streicher-Ostinati, hin und wieder das nervige „Horn Of Doom“ eingestreut, viele Percussions und Elektronik satt. Teilweise hat man das Gefühl, dass die Musik von sich selbst gelangweilt ist, wenn zum Beispiel ein Track namens Hong Kong Chase aus halbarschigen Trommel-Rhythmen besteht, die versuchen, fernöstlich zu klingen, oder auch His Name Is Shane And He Drives verdächtig nach Oblivion klingt, einem Film, dessen Score viele der „Remote-Control“-Soundtracks schamlos kopierte. Das ist jedoch kein Zeichen dafür, dass inzwischen jeder von jedem klaut, sondern das sich die Filmmusik-Szene in einer sehr kritischen Phase befindet! Wenn sich Produzenten so wenig um Kreativität scheren, welche die Komponisten von „Remote Control“ ganz sicher mitbringen würden, und nur darauf setzen, dass ein Score wie hundert andere zuvor kreiert wird, der sich zwar mit Sicherheit solide verkauft, aber jede Eigenständigkeit vermissen lässt, dann sind wir ernsthaft in Schwierigkeiten! So kann und darf es nicht weitergehen! Wenn wir immer nur das Gleiche vorgesetzt bekommen, wie sollen wir dann noch erkennen, hinter welcher Musik noch ernsthafte Ambition steckt? Das, was uns hier geboten wird, ist nicht mehr als Fastfood für die Ohren, sicher, kurzzeitig befriedigend, aber auf Dauer nicht sättigend! Mehr Innovation bitter, mehr Kreativität, ein klein bisschen reicht schon! Aber einer muss anfangen!



Fazit

2,5/5… Nach diesem Statement bleibt nichts anderes übrig, als lasche 2,5/5 Punkten zu vergeben, da der Score hier und da wirklich seine wuchtigen und wirkungsvollen Momente hat (siehe Anspieltipps) und auch mal im Falle der Vertonung von Wahlbergs Familie etwas neues bietet – abgesehen davon ist der Score zu „Transformers: Age Of Exctinction“ jedoch eine sehr deprimierende Erfahrung gewesen, die zwar zum Film passt und innerhalb des durchgeknallten Getöses nicht negativ auffällt, aber als reines Hörerlebnis auf Dauer nicht viel offerieren kann. Wenn „Remote Control“ nicht bald aus seiner Komfort-Zone heraustritt und mal wieder Scores produziert, die einen eigenen Charakter und Erinnerungswert besitzen, dann sollte man überdenken, warum man diese Art von Komposition überhaupt mal mochte…

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps

1. Decision – 4:21
2. Best Thing That Ever Happened – 2:07
3. I´m an Autobot – 5:06
4. Optimus Is Alive – 2:18
5. Cemetery Wind – 5:54
6. His Name Is Shane And He Drives – 5:18
7. Hacking the Drone – 2:05
8. Transformium – 3:24
9. Galvatron Is Online – 1:57
10. Your Creators Want You Back – 3:27
11. The Final Knight – 4:08
12. Punch Hold Slide Repeat – 2:12
13. The Presence Of Megatron – 2:51
14. Galvatron Is Active – 4:14
15. Have Faith Prime – 1:29
16. Hong Kong Chase – 1:43
17. The Legend Exists – 1:16
18. Dinobot Charge – 6:37
19. That´s A Big Magnet – 2:51
20. Drive Backwards – 2:05
21. Honor to the End – 5:19
22. Leave Planet Earth Alone – 3:48
23. The Knight Ship – 3:21

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