WAITING FOR FOREVER: Kritik zur Dramanze mit Rachel Bilson & Tom Sturridge

Story

In ihrer Kindheit waren Emma und Will unzertrennlich. Nach dem Unfalltod seiner Eltern war sie sein großer Beistand und Halt, doch anschließend musste Will ihre kleine Heimatstadt verlassen und abgesehen von ein paar Briefen verloren die beiden einander aus den Augen – zumindest aus Emmas Sicht. Will jedoch ist über die Jahre stets unbemerkt in ihrer Nähe geblieben, vagabundiert ihr als Straßenkünstler hinterher und empfindet längst mehr als nur kindliche Freundschaft für sie. Als ihr Vater schwer erkrankt kehrt Emma schließlich aus Los Angeles in ihre Heimatstadt zurück und Will trampt ihr nach, entschlossen, ihr endlich seine Gefühle zu gestehen. Doch der träumerische und labile Lebenskünstler bringt genau wie Emma eine ganze Portion persönlicher Probleme mit…

Der Film

Deutsche Roboter- und Primaten-Fans mussten während der WM Geduld beweisen: mit „Transformers: Age of Extinction“ und „Dawn oft he Planet of the Apes“ müssen zwei der größten Blockbuster des Jahres bis nach den Fußballfestspielen auf ihren Leinwandeinsatz warten, während beide in den USA und sonstwo bereits gewaltige Ergebnisse einfahren. Allerdings geht’s hier lediglich um ein paar Wochen, was soll da erst die Anhängerschaft von Rachel Bilson und Tom Sturridge sagen?! Die wartet nämlich seit geschlagenen vier Jahren auf eine Dramanze, die ironischerweise den Titel „Waiting for Forever“ trägt. Selbige absolvierte 2010 einen durchwachsenen Festival-Run von Santa Barbara bis Nashville und lief dann im Februar 2011 für zwei Wochen in einem guten Dutzend US-Kinos. Und im Juli 2014, am Wochenende vor dem WM-Finale der deutschen Elf gegen Argentinien, also zum offensichtlich ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt, um einen Film hierzulande auf den Markt zu schmeißen, erscheint „Waiting for Forever“ nun doch noch. Bleibt die übliche Frage: hat sich das Warten auf den Nachzügler gelohnt?



Klare Antwort: nein. Zumindest keine vier Jahre. „Waiting for Forever“ ist durchwachsenes Gitarrenklampfschmusepopsong-US-Indiekino, wechselt fliegend zwischen herzzerreißend und Wurststulle, zwischen einem verträumten Charme und mittelprächtiger Kost. Die Story setzt aus gleich mehreren Winkeln zu altbekannten Zügen an: die beste Freundin aus der Kindheit wird zur großen Liebe, ein Schicksalsereignis führt die Protagonisten zurück in ihre alte Heimat und das unbeschwerte Mädel von damals schleppt heute einen Tornister an Sorgen und Sinnkrisen mit sich herum und muss vom schönrednerischen romantischen Helden an den Spaß und die Unbekümmertheit von damals erinnert werden. „Waiting for Forever“ mengt das alles zueinander, ohne etwas richtig aus zu erzählen, legt noch einige Subplötchen daneben und findet meist nicht das passende Gewichtungsmaß.

Die Nebenhandlungen übererzählen eine kleine Love Story, die in ihren Beats eigentlich ein paar schöne Ungewöhnlichkeiten birgt, auf die sich ein näheres Eingehen lohnen würde. Bei Tom Sturridges weggetretenem Spiel wird nie ganz klar, ob das Absicht ist oder mimische Limits, es passt aber zunehmend zu der Rolle eines zwischen Traumabewältigung und Lebensgestaltung gestrandeten und hochgradig labilen Sonderlings. Seine Sicht auf die Bindung und die Liebe zu Emma ist rosa gefärbt und romantisiert, objektiv betrachtet jedoch ist er ein verstörter, obsessiver Geist oder einfach ein Stalker. Das könnte die Dimensionen des französischen Erotomanie-Psychothrillers „À la folie … pas du tout!“ annehmen, in dem nacheinander die selbe Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird, aber in solch abseitige Regionen verschlägt es Regisseur James Keach nicht.

Einige feine und manche ans Herz gehende Szenen kriegt Keach auch so und gerade wegen dieser Verklärtheit und des Verzichts auf ein vielschichtiges Psychogramm unter: das erste Aufeinandertreffen der erwachsenen Emma und Will ist die beseelteste Sequenz des Films, um dieses Treffen müsste eigentlich alles kreisen und die Handlung bestimmen, mit welchen Gefühlen die Figuren in diese Begegnung hinein und mit welchen wieder hinaus gehen. „Waiting for Forever“ unterbricht das „davor und danach“ aber mit der Nebenhandlung um Emmas Eltern, die zwar in einigen Augenblicken ebenfalls berührt, mit dem totgeweiht einhergrantelnden Richard Jenkins und Blythe Danner als lovely Mum, bei der man vor lauter Herzlichkeit immer nur »hullullullullullu« versteht, jedoch auf überbeanspruchte Klischees setzt. Die Danner nervt hier regelrecht in ihrer überverständnisvollen Betulichkeit. Dazu kommt ein völlig konfuser und schlecht eingebetteter Krimi-Part um Emmas Freund Aaron, der in der zweiten Hälfte für einige grottig aufgebaute Twists sorgt.



So kommt „Waiting for Forever“ nicht über gefühlvolle Einzelmomente hinaus, um die herum nicht selten der vollkommen falsche Film abzulaufen scheint. Die knuddelpüppige Rachel Bilson bleibt mit ihren First World-Problemen (»my TV-Show got cancelled« or something…) uninteressant und wenig anbetungswürdig, Sturridge hat die faszinierendere und spannendere Rolle, außer dem Wechsel zwischen leicht ins Debile weggekippter und trotziger Mimik verlangt sie ihm allerdings nicht das ab, was drin stecken täte. Die Nebenfiguren sind hier mal nicht die schrägen Querköppe, mit denen sich Indie-Kino sonst gerne ausstaffiert, sorgen aber dennoch für den ein oder anderen humorigen oder emotionalen Schwank, die einschmeichelnde Musik unterstützt wo sie nur kann. Als echte Alternative zu ‘nem WM-Finale drängt sich „Waiting for Forever“ so nicht auf, aber auch abseits des Fußballfeiertaumels ist das kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste.

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 0,5/5
Das oft gespielte „kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht“-Spiel halt…
Anspruch: 1/5
Hinter der trauergeschädigten Figur des Will steckt schon was, nur kümmert sich der Film nicht sehr ausgiebig darum, sondern setzt lieber auf verklärende Sentimentalität.
Humor: 1/5
Schon ein paar nette, leichte Humoranflüge.
Darsteller: 3/5
Von nett bis nervig…
Regie: 2/5
Schwankt zwischen ganz gelungen und voll verhauen. Vor allem die Nebenhandlungen sind mehr zum Schaden des Films, statt das sie ihn bereichern.
Fazit: 5/10
Die deutschen Fußballfans mussten 24 Jahre auf den WM-Titel warten, die deutschen Filmfans vier Jahre auf „Waiting for Forever“, beides kam zusammen am zweiten Juli-Wochenende 2014. Für erstere Gruppe hat’s sich deutlich mehr gelohnt…

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code