WE ARE YOUR FRIENDS: Kritik zur grellen DJ-Dramanze mit Zac Efron & Emily Ratajkowski (Amazon Video)

Die Story

Twentysomething Cole lebt mit seinen Kumpels Mason, Ollie und Squirrel im San Fernando Valley, der wenig glamourösen Wüste hinter den Hollywood Hills, die außer der Pornoindustrie und leckerem Sushi in Shopping Malls nicht viel zu Amerika beizutragen hat. Neben dem täglichen Abhängen verfolgt Cole vor allem einen Traum: der talentierte DJ will in der EDM-Clubszene Fuß fassen und arbeitet eifrig daran, den einen Track abzumischen, der ihm die Tür zum Erfolg öffnen soll. Bei einem mies bezahlten, aber dank der fleißigen Promotion seiner Freunde gut besuchten Gig in Los Angeles trifft Cole auf den erfahrenen DJ und Headliner des Abends, James Reed. Der legt eigentlich nur noch für die Kohle auf, erkennt aber Coles Frische, Eifer und Begabung und stellt ihm sogar sein Tonstudio zur Verfügung. Während Cole seinen eigenen Sound zu kreieren versucht entfernt er sich jedoch zunehmend von seinen Freunden und als er sich in Reeds Freundin Sophie verliebt und von einem tragischen Ereignis erschüttert wird steht sein großer Traum plötzlich auf der Kippe…

Die Filmkritik

Alex Shaffer, Zac Efron, Jonny Weston und Shiloh Fernandez in WE ARE YOUR FRIENDS
»Study halls, SATs, liberal arts, student loans, layoffs, bailouts, broken dreams, this is not our future. Things are different for us. We can invent an app, start a blog, sell things online. My friends and I, we promote parties. But if you’re a DJ, all you need is a laptop, some talent and one track. That track is your ticket to everything… « Zac Efrons Voice Over im Trailer zu „We Are Your Friends“ hat schon schön zusammengefasst, welchem Zeitgeist sich Max Josephs DJ-Drama zuordnet: es ist die Zeit der Kriegers und Systroms, der Zuckerbergs und Parkers, der Brins und Pages, der Actons und Koums, die Zeit der Digitaldompteure, Quellcode-Innovateure und E-Entrepreneure, die mit Mitte Zwanzig und der einen Idee, von der niemand wusste, dass er auf sie gewartet hat, zu Millionären und Milliardären werden. Astronaut, Arzt, Polizist, die Traumberufe von einst sind der digitalen Revolution und ihren Möglichkeiten gewichen, heute wird man YouTube-Star und Social Media-Marke und misst die eigene Bedeutung in Klicks, Likes, Retweets und Downloadzahlen.

„We Are Your Friends“ ist der Young Adult-Film einer Twen-Generation, die nicht konstant gerade genug, sondern auf einen Schlag richtig viel und am besten gleich alles will. Geld, Berühmtheit, Besitz, Frauen, und dafür muss man nichtmal den Umweg über die schiefe Bahn nehmen, Smartphones und Laptops und ein Internetzugang genügen. Der bisherige Doku-Filmer und „Catfish: The TV Show“-Host Joseph verbindet mit dem Musik-Thema seines Spielfilmdebüts Geschichte und Moderne; die Musik, etwas immer dagewesenes, zu dem nicht jeder das Talent, aber jeder einen Zugang hat im Gewand der popkulturellen Gegenwart: Electro-DJ Cole lernen wir nicht an der Gitarre, hinter’m Schlagzeug oder über Lyrics brütend, sondern vor dem Computer kennen, Sounds und Samples über’s Touchpad mit Schiebereglern pitchend, ein siebzehn Zoll-Tonstudio im Zeitalter der homemade-Digitalisierung und -Synthetisierung von Tönen und Geräuschen, Sound-Recycling per Mausklick statt Drumstick, weg von der traditionellen Instrumentierung, hin zur elektronischen Klangerzeugung.
Zac Efron als Cole Carter in WE ARE YOUR FRIENDS
„We Are Your Friends“ schafft damit ein geschicktes Bild einer Generation von Web Natives, die digital träumt, aber analog ihren Weg nicht findet: Cole hat das Talent und die Skills, die Crowd mit seinen Beats zum Schwingen zu bringen, doch sein Set reiht nur Samplings und Stilrichtungen anderer aneinander, seine Arrangements pushen und pumpen, was ihnen fehlt ist Leben und Atmung, die Sinneserfahrungen ihrer ursprünglichen Schöpfer, die Cole und seine Kumpels nicht machen, da sie sich vor Geräten, unter dicken Kopfhörern, in Clubs und im Drogenrausch von der wirklichen Welt abkapseln. Gerade für Coles Entourage ist die Musik nur ein Instrument, in das die mit dem Talent ihr Herzblut stecken, ihr Innerstes nach Außen stülpen, es in Songtexte und Melodien übersetzen und andere berühren. Die Figuren in „We Are Your Friends“ aber sind unausgefüllt, ihre Dubsteps zur Verwirklichung ihrer Träume von naiver Unbekümmertheit und ignorantem Unwillen geleitet, sich an Begriffe wie Bildung und Leistung zu verplempern, mehr wahrzunehmen als Party und ‘n billigen Trip, wenn es doch bloß den einen Hit braucht um alles zu bekommen, und das kann schon Morgen so weit sein. Oder übermorgen. Oder nie, wenn die illusorische Blase platzt…

Script, Plotentwicklung und Botschaft von „We Are Your Friends“ geraten äußerst simpel: leg die Apathie ab, erfühle und erlebe deine Umwelt, öffne deine Sinne, erfahre das Leben, die Liebe, den Schmerz und dann kannst du etwas schaffen, das andere berührt. Musik muss mehr sein, als dein money maker und dein fame gainer, dann erreichst du, im Falle eines Electro-DJs, nicht nur ihre Beine und Eingeweide, sondern die Seelen der Leute, die vor deinem Mischpult abgehen. Mit der triangle love story um Cole, den abgewrackten Star-DJ James Reed und die rassige Sophie im Zentrum der Geschichte verlässt sich Joseph auf eine soapige Narration, beim Freundetrio mit dem großmäuligen Troublemaker-Pulverfass Mason, dem Kontakte knüpfenden handsome guy Ollie und dem wieseligen Außenseiter Squirrel auf Stereotypen von Peergroup-Anordnungen (siehe „Trainspotting“ oder „Jim Carroll“), mit dem Subplot um den lukrativen „über Wasser halten“-Job der Gruppe beim skrupellosen Immobilienabzocker Paige bindet er eine plakative Sozialkomponente zur Charakterschleifung seiner Hauptfigur ein…

…doch so oberflächlich das auch alles gerät und so unrund das in Szenen- und Stimmungsbrüchen zum Teil inszeniert ist: „We Are Your Friends“ entfaltet in seiner Milieu-Studie dennoch eine Sogwirkung. Aus der durchgestylten Clip-Ästhetik des Films mit seinen grellen Club Partys, Edel-Look-Montagen und den amplifizierten Visuals ließen sich hundert Videos für David Guetta oder Skrillex zusammenschneiden; Joseph hat nicht viele originelle Ideen für die Story, dafür peppen das flashy shot editing, Brett Pawlaks dynamische Kamera und visuelle Spielereien wie Texteinblendungen oder eine Rotoscoping-Sequenz im PCP-induzierten Halluzinationsrausch den Film ordentlich auf. Das San Fernando Valley, Downtown L.A. und ein Abstecher nach Las Vegas werden im Michael Mann’schen Handheld-Digital HD-Look eingefangen und mich persönlich kriegt dieser „nicht jedermanns Sache“-Style einfach meistens.
Wes Bentley und Zac Efron in WE ARE YOUR FRIENDS
Style over substance zwar, aber die fehlende Substanz von Figuren und Geschichte in „We Are Your Friends“ hat immerhin eine refelxive Bedeutungsebene, eben indem der Film Twentysomethings und deren firewallumzäunte Existenz aus Träumen und Überzeugungen zeigt, hinter denen sich hohle, auf reine Reizpunktstimulierung angwiesene Jungs aus der unteren Sozialschicht verbergen, die nur einen Steinwurf entfernt und doch meilenweit weg vom großen Ruhm auf der anderen Seite der Hollywood Hills ihren Wünschen hinterher vegetieren. Das ist Dasein im alltäglichen Stumpfsinn eines style over substance-Takts und deswegen darf „We Are Your Friends“ auch für’s Publikum mehr ‘ne Reizerfahrung sein und seine emotionalen Breakouts öffentlich auf Plakatwände projizieren, statt sie im komplexen Dickicht suchen zu müssen. Die Bilder sind snazzy, der Soundtrack reißt auf den Dancefloor, die Stars von Zac Efron („Bad Neighbors“) über Emily Ratajkowski („Gone Girl“) bis Shiloh Fernandez („Return to Sender“) sind unerhört attraktiv, alles ist Reiz und Reiz ist nichts, wenn man sich nicht von ihm berühren lässt.

Als (fiktives) DJ-BioPic mag „We Are Your Friends“ einige Beats verhauen und bei manch echtem Mischpult-Meister die BPMs zum LOLen bringen (der kanadische Produzent Deadmau5 freute sich diebisch über den heftigen Kassenmisserfolg des Films), der EDM-Überbau ist jedoch ein austauschbares Element einer gelungenen Studie der „all we need is one hit“-Generation. Einen gewissen musikalischen Spirit hat der Film aber schon, besonders die feel good-Viertelstunde zum Schluss mit Coles inspirativer Offenbarung und Pyramids Komposition „Cole’s Memories“ für den großen Final-Gig überzeugen als wiederum plakativ erzählte, aber sehr schön umgesetzte Würdigung von Persönlichkeit und kreativer Innovation, abgeleitet aus einem eigenen, intimen Erlebnishorizont (»Are we ever gonna be better than this?«).
Sexy Dance - Emily Ratajkowski in WE ARE YOUR FRIENDS
Efron geht am Pult gut ab, auch wenn er immer ein bißchen guckt, als hätte ihm der Wetterbericht die Hoffnung auf einen sonnigen Tag verhagelt. Model Ratajkowski spielt nun nicht gerade die Platten vom Teller, die Oberweitengranate hat neben ihrer reizenden Optik aber doch eine gewisse ansteckende Natürlichkeit und lausgirligen Charme, dazu steht ihre sexy-superverführerische Dance-Einlage im „Can’t Get You Out of My Head“-Gedächtnis-Oberteil mit neckischen Busenblitzern zu Coles 128 Beats per Minute ihrem Aufsehen und sonstwas erregenden Auftritt in Robin Thickes’ „Blurred Lines“-Video in nichts nach. Das der gesamte Cast entweder etwas leblos wirkt oder übersteuert passt hingegen zu den Figuren, die in blinder Euphorie oder desillusioniert und am eigenen Anspruch oder am Leben gescheitert eben nur auf den nächsten Impuls hoffen. Mit 128 Beats per Minute in ihre Körper gehämmert.

Wertung & Fazit

Action: 0.5/5

Kein wirkliches Kriterium, Party- und Dancefloor-Action und phasenweise viel Dynamik in der Bildsprache, aber actionreich ist „We Are Your Friends“ deswegen nicht.

Spannung: 1/5

Die gängigen from rags to riches-Muster werden recht überraschungsfrei, aber appetitlich zubereitet angeboten.

Anspruch: 2/5

Vielleicht kein gänzlich akkurates Portrait der Electronic- und DJ-Branche, aber durchaus ein ganz findiges Generationen-Portrait der Digital Natives.

Humor: 0.5/5

Kein Brüller, aber einige visuelle Gags und unterhaltsame Besonderheiten.

Darsteller: 3/5

Durchweg schöne Menschen in einfach gestrickten Rollen, die soap opera-hafte Konflikte austragen. Für das geforderte und gewünschte Bild der Twens im San Fernando Valley aber alles ordentlich gespielt.

Regie: 4/5

Eine sehr stylische Inszenierung, die auch klar vor den vernachlässigteren Story- und Charakter-Elementen des Films steht, diesem thematisch aber genau so gerecht wird.

Film: 7.5/10

„We Are Your Friends“ ist von der Handlung und den Figuren her keine sehr originelle, aber eine extrem stylische from rags to riches- und coming of age-Story, darüberhinaus ein durchaus gelungenes Drama über die digitale Generation der Träumer.

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